FUNK.TAG Kassel: Zweite Wahl für Vorträge.

Große W-Veranstaltungen im deutschen Amateurfunk 🔗

Im deutschen Amateurfunk gibt es einige überregionale Veranstaltungen, die mit ihrem Vortragsprogramm Festtage der Weiterbildung darstellen. Als W-Aktiver im AJW-Bereich (Ausbildung, Jungendarbeit, Weiterbildung) fahre ich da gerne hin, goutiere das Vortragsprogramm und trage auch gerne nach meinen Möglichkeiten dazu bei.

Mir geläufig sind die folgenden “großen Vier” der W-Szene:

Auf der HAM RADIO habe ich schon öfters vorgetragen, auf der UKW-Tagung auch schon mal (und plane, es wieder zu tun). Dieses Jahr war ich zum ersten Mal auch auf dem FUNK.TAG Kassel mit einem Vortrag aktiv. Dieser Blogpost fasst meine persönlichen Erfahrungen und ein paar Beobachtungen zusammen.

Spoiler: Ich bin enttäuscht.

Mein Plan 🔗

Ich hatte ein Vortrag eingereicht zu einem Nischenthema, nämlich zur Geschichte des AfuBarcamps. Das war als kleines Dankeschön gedacht für die Ehrung des AfuBarcamp-Teams im letzten Jahr mit der Ehrenplakette des DARC.

Wir war schon klar, dass das ein Nischenthema ist. Aber ich hatte mir vorgestellt: Es mag am Nachmittag Leute geben, die Messe und Flohmarkt durchstreift haben, aber sich noch nicht recht entschließen können, schon nach Hause zu gehen. In dieser Situation kommt vielleicht eine latente Neugier zum Zug, was denn eigentlich dieses “AfuBarcamp” sein mag, von dem seit neun Jahren immer mal wieder zu lesen ist. Wer diese Neugier direkt an der Quelle stillen will (und sich darauf freut, auf einem Stuhl Platz nehmen zu können), wird sich vielleicht auf meinen Vortrag einlassen.

So meine Idee.

Passend zu diesen Überlegungen hatte ich gleich beim Einreichen meines Vortrags im Formularfeld für Nachrichten an den Veranstalter gebeten:

Wenn es wieder einen “Dialog mit dem Vorstand” gibt wie 2024, dann bitte nicht parallel dazu.

Ansonsten rechne ich eher mit Leuten, die sich relativ spontan entscheiden, diesen Vortrag anzuhören: “Jetzt bin ich durch die Messe - was läuft sonst noch so?” - weniger mit Leuten, die schon mit dem Vorsatz nach Kassel fahren, sich diesen Vortrag anzuhören. Insofern wäre mir ein relativ später Termin lieb: 15 Uhr oder 14 Uhr.

Anderer Plan (kein Plan, warum?) 🔗

Eingeplant ins Programm wurde ich dann für 11 Uhr.

😟

Eine Kommunikation mit mir, warum meinem Terminwunsch nicht entsprochen wurde, hat es im Vorfeld nicht gegeben.

Raum, Technik, Betreuung - unteres Niveau 🔗

Noch vor dem Start des Programms, also vor 10 Uhr, warf ich einen Blick in den noch leeren Raum, in dem ich später vortragen sollte:

Bild eines sehr langen, schmalen Raumes. Es gibt 11 Stuhlreihen mit
jeweils nur 4 Stühlen pro Reihe, weil der Raum so schmal ist, dass
mehr nicht Platz haben. Das Foto ist von hinten aufgenommen. Vorne, in
weiter Ferne, ist eine Leinwand zu sehen, die vielleicht 1/6 der
Stirnfläche des Raumes ausfüllt, also für die Raumgröße zu klein
bemessen ist,

😯

Das sieht nicht gut aus!

Der Raum ist viel zu lang und schmal und die Leinwand für die Raumgröße deutlich zu klein. Das war auf den ersten Blick offensichtlich.

Als ich später meinen Rechner angeschlossen hatte, habe ich das überprüft: Ich konnte das Projizierte gerade einmal in den ersten vier, fünf Reihen einigermaßen erkennen.

Die Bestuhlung in allen Ehren, aber de facto sind Vorträge mit mehr als 20 Personen in diesem Raum nicht gut aufgehoben.

Das geht auch besser. HAM RADIO und UKW-Tagung machen es vor. Selbst wenn die Chaoswelle ihren jährlichen Lizenzkurs veranstaltet und gegen Ende drei Handvoll Leute zur traditionellen Kursfahrt ins Tagungszentrum Burghofer Herrenhaus reisen, steht dort deutlich bessere Beamertechnik zur Verfügung, als DARC e.V. Gesamtverband und die Messe Kassel mir als Vortragenden und vor allem meinen Vortragsteilnehmenden bieten. Und wir reden hier über eine bedeutende Veranstaltung, die laut Meldung 2700 Besucher angelockt hat!

Zurück zum Programm! 🔗

Aber erst einmal den Vortragsraum Vortragsraum sein lassen und los! Denn das Programm war durchaus attraktiv:

Das Vortragsprogramm als Tabelle. Ich mag das nicht alles abtippen.
Bis auf weiteres steht dasselbe auch unter dem im letzten Abschnitt
verlinkten Wort "Programm" zur Verfügung.

Ich war schon vor 10 Uhr pünktlich zum Remote-Vortrag von Michael. Den hätte ich gerne zu Ende gehört; schade, dass ich mittendrin los musste zu meinem eigenen Vortrag. Die Bemerkungen zum Notfunk von Oli hätte ich mir ebenfalls gerne angehört, aber die liefen in direktem Zeitkonflikt parallel zu meinem. Den ebenfalls zu meinem parallelen Vortrag von Michael zur SDRA kenne ich schon; sonst den auch.

Ein ziemliches Fiasko 🔗

Mit meinem Nischenthema-Vortrag trat ich also gegen vier attraktive parallele Konkurrenzangebote an: Flohmarkt, Notfunk, Remote und SDRA. Alles Dinge, die auch mich selbst interessiert hätten.

So kam es dann, wie zu befürchten war: Ich hatte gerade mal acht Personen in meinem Vortrag.

😭

Dafür hatte ich etwa eine Woche Zeit in Recherche und Vorbereitung gesteckt?

Auf der positiven Seite kam es immerhin im Zusammenhang mit meinem Vortrag zu zwei Begegnungen mit Menschen, die ich sonst vermutlich nicht getroffen hätte.

Und inhaltlich hatte ich ein gutes Gefühl: Der Vortrag selbst war solide und lief gut.

Warum? 🔗

Ich bin dann kurze Zeit später der zuständigen Person aus der DARC-Geschäftsstelle begegnet und habe mit ihr gesprochen.

Richtig schlau geworden bin ich aus den Antworten zugegebenermaßen nicht. Es war von anderen Referenten die Rede, die nicht früh konnten. Ja gut. Aber warum genau konnte mein AfuBarcamp-Ding nicht einfach bei ansonsten unveränderten Programm parallel zu EME um 15 Uhr angesetzt werden?

Von früheren Veranstaltungen, namentlich der HAM RADIO in verschiedenen Jahren, bin ich von dieser selben Person gute, saubere Arbeit gewohnt, durchaus auch mit Mitdenken und Umsicht. Mir blieb der Eindruck, dass diesmal im entscheidenden Augenblick meine Nachricht an die Veranstalter schlicht nicht gelesen worden war. Dumm gelaufen.

Programm suboptimal 🔗

Und bei näherer Betrachtung merke ich, dass der Zeitplan des FUNK.TAGes auch sonst zu wünschen übrig lässt.

Zum einen gibt es das Ärgernis, dass zwischen einem Vortrag und dem nächsten keine Übergangszeit eingeplant war. Wer sich vom Raum Alpha am einen Ende der Halle zu einem der anderen Räume oder auch nur zur Aktionsbühne durchwühlen möchte, wäre dankbar, wenn alle Vorträge einfach 5 Minuten früher beendet würden.

Auch für die Referenten würde das die Situation entspannen. Wenn der Vorreferent die Technik schon freigegeben hat, kann der Nachreferent sein Zeug in Ruhe anschließen und dann pünktlich anfangen. Dagegen macht es Stress, die Technik erst dann zurecht fummeln zu dürfen, wenn die eigene Zeit schon läuft.

Weiter ist es schade, dass es kein klares Raster gibt bei den Vortragszeiten. Bei der Programmfindung könnte darauf geachtet werden, dass alles jeweils zur vollen Stunde anfängt. Die Aktionsbühne macht es vor, wie das gehen kann.

Wäre zum Beispiel der Vortrag über Lichtfunken um eine halbe Stunde nach hinten verlegt worden, statt um 14:30 Uhr anzufangen, so wären Zeitkonflikte mit zwei weiteren Veranstaltungen weggefallen, ohne neue zu produzieren.

Wäre anschließend der Vortrag zur Antennenerdung von 13:30 um 30 Minuten entweder nach vorne oder nach hinten verlegt worden, so wäre auch hierdurch die Anzahl der Terminkonflikte im Programm um zwei weitere verringert worden.

Vielleicht wäre auch Michael zu überzeugen gewesen, seinen Vortrag über das Remote-Thema von 70 auf 60 (oder 55) Minuten zu kürzen, was gleich mehrere weitere Terminkonflikte entfernt hätte.

Zugegebenermaßen sind all dies Gedanken, die ich mir in meinem gemütlichen Wohnzimmer mache. Ich weiß nicht, ob andere Referenten in ihren internen “Nachrichten an die Veranstalter” irgendwelche Randbedingungen in die Planerstellung eingebracht haben, die ich naturgemäß nicht kenne.

Technik und Betreuung 🔗

In meinem Vortragsraum gab es ein Handmikrofon.

Handmikrofone gelten allgemein als zweitbeste Lösung. Sie wird gewählt, wenn jemand Vortragendes kein Mikrofon am Kopf befestigt haben will oder nicht “verkabelt” werden will. Ich persönlich bin kein solcher Vortragender und möchte “verkabelt” werden. Ich habe gerne beide Hände frei und finde auch die Übertragungsqualität besser.

Etwas beunruhigt war ich, als ich das Mikrofon einschaltete und es ging nicht.

Ich habe auch keinen Techniker wahrgenommen, der nach dem Rechten geschaut hätte oder mir zur Seite gestanden. Hätte es ein ernstes Probleme mit der Technik gegeben, hätte ich losrennen müssen und mir irgendwo Hilfe holen. Wo? Unklar.

😳

Wie sich herausstellte, funktioniert die Lautsprecheranlage schon, aber erst nach einiger Verzögerung. Das dauerte etwas. Ich wurde erinnert an Röhrenradios meiner Kindheit, die auch nach dem Einschalten erst warm werden mussten, ehe was kam. Ich hatte nach Mikrofonanschalten also einfach nur etwas zu warten.

Und ich habe für nur acht Leute dann sowieso kein Mikrofon gebraucht. Insofern war mir persönlich dieser Teil der Technik egal.

Michael hatte bei seinem Vortrag über das Remote-Thema auch technische Probleme mit der Lautsprecheranlage: Der Lautsprecher auf einer Seite schien einen Wackelkontakt zu haben: Mal kam da gar nichts, mal machte er gelegentlich durch kurzes Brummen unangenehm auf sich aufmerksam. Auch mit dem Beamer hatte Michael Probleme. Immerhin hatte er im Raum Alpha einen Techniker zu Seite, der ihm helfen konnte.

Raumnot! 🔗

Der größte Vortragsraum der Veranstaltung war Raum “Alpha”. Der war dem tatsächlichen Ansturm dort nicht gewachsen.

Ich hätte mir den Antennenvortrag von Martin gerne angehört, war etwas spät dran, und fand mich in einem völlig überfüllten Raum vor einer Wand von Rücken vor mir stehender Menschen. Von der Leinwand war nichts zu erkennen. Das war mir dann zu ungemütlich und ich bin leise wieder gegangen.

Barrierefreiheit? 🔗

Nachträglicher Einschub:

Es wurde im Matrix-Chat erwähnt und dann fiel es mir auch wieder ein, dass mir das gestern komisch vorkam: Für Leute im Rollstuhl, mit ernsten Knieproblemen oder ähnlichem war nur der große Vortragsraum Alpha überhaupt erreichbar. Die anderen Vortragsräume lagen im ersten Stock und es gab keinen Fahrstuhl, nur ein Treppenhaus. Laut Aussage im Matrixchat ist das keine bloße Theorie, sondern es haben gestern konkrete Menschen konkrete Vorträge nicht erreichen können, obwohl sie das wollten.

Ich habe mich schon 1980 drüber geärgert, dass eine befreundete Kommilitonin im Rollstuhl manche Uni-Veranstaltungen nur über große Umwege erreichen können. Dass Teile von großen, öffentlichen Veranstaltungen gar nicht erreichbar sind, sollte 2026 nicht mehr vorkommen.

Fazit 🔗

Der FUNK.TAG Kassel hat sich mir aus meiner Vortragendensicht beim ersten Versuch als wenig attraktiv vorgestellt.

Die Probleme mit vermeidbaren Konflikten im Programm lassen sich lösen. Bei den Technik- und vor allem den Raumproblemen bin ich mir nicht so sicher. Wenn nicht, liegt es aus meiner W-Perspektive nahe, den FUNK.TAG aus Kassel zu verlegen. Es gibt wahrlich genug Messestädte in Deutschland. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die alle nur so schlechte Räume und Technik bereitstellen können, wie ich das hier erlebt habe.

Ausblick 🔗

Persönlich ärgere ich mich über meine Fehlentscheidung, den FUNK.TAG mit diesem DARC-Thema zu bedienen. Ich hätte die Zeit besser in einen technischen Vortrag für die HAM RADIO investiert, der seit einiger Zeit auf meiner “langen Bank liegt”. Jetzt reicht die Zeit nicht mehr.

Na gut. Dann werde ich diesen Vortrag eben der UKW-Tagung anbieten.

Arbeitstitel: “1000 Antennensimulationen”.

Inhaltlich geht es darum, ein Antennensimulationsprogramm gezielt von eigener (z.B. Python-) Software steuern zu lassen. Damit habe ich schon interessante Parameterstudien bequem durchführen können. Und ich habe noch zwei weitere Ideen, was damit noch gehen müsste, die ich aber noch nicht ausprobiert habe. Da hier noch geforscht werden muss und anderes auch zu seinem Recht kommen will, schaffe ich es nicht mehr, den Vortrag bis zur HAM RADIO fertig zu stellen.

Ansonsten bleibe ich dabei:

Weiter gehts! W macht Spaß!

Diskussionsmöglichkeit 🔗

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